Über Lviv und seine Geschichte

Es gibt Plätze, wo die Gegenwart leicht und natürlich mit der Vergangenheit verflochten ist. So ein Platz ist Lwiw, dessen Originalität und  Eigenart ein ideales Bild der Stadt, einem Museum gleich,  bildet, in der sich der größte Teil der Kulturdenkmäler des Landes befindet. Aber nicht die Anzahl von Denkmälern auf einem Zentimeter der städtischen Fläche ist ausschlaggebend.

Der größte Reichtum von Lwiw war immer eine Vielfalt von ethnischen, nationalen und religiösen Gemeinschaften. Während vieler Jahrhunderte wohnten hier auf engstem Raum Ukrainer, Polen, Deutsche,  Armenier, Schotten,  Walachen, Ungarn, Tschechen, Griechen. Es ist verständlich, dass solch ein  Zusammenleben nicht idyllisch sein konnte, aber, ohne Zweifel,  spürt man hier den gegenseitigen Einfluss von Kulturen, Religionen, Ansichten.

Dank des Handels wurde die Stadt reicher, auf dem Rynok Platz trafen sich Händler aus Ost und West, Süd und Nord, die ihre Erkenntnisse über Lwiw in Europa verbreiteten. In Lwiw assimilierten sich Vorfahren italienischer, schweizerischer und deutscher Architekten, die des Verdienstes wegen in die Stadt kamen und unübertreffliche architektonische Ensembles, Kirchen und Wohnhäuser errichteten. Hier ließen sich armenische und moldauische Händler, deutsche und tschechische Handwerker, Angestellte, Lehrer nieder.

Die lwiwer Stadtmitte mit einer exakten Aufteilung in nationale Viertel wurde zu einem  Ofen, in dem die einzigartige multikulturelle Gemeinschaft geschmiedet wurde. 

Nicht umsonst  hat Lwiw, wie in der Ukraine, so auch in Polen, den Ruf des Piemonts – einer unfügsamen und freiheitswilligen  Stadt. In der Mitte des XIX. Jahrhunderts wurde Lwiw zum Zentrum der jüdischen Aufklärung. Wie bekannt, bilden sich die interessantesten Phänomene an der Kreuzung von Kulturen, und Lwiw hatte immer schon begabte Menschen, die berühmte Werke  in den Bereichen Kunst und Technik  schufen, als auch kulturelle, wirtschaftliche, sportliche Gesellschaften gründeten.