Der Kriegsheld und Kaffeepionier

Es gibt in Wien die Коlschitzky-Gasse, die zu Ehren des berühmten Ukrainer genannt wurde, an der Hausecke steht auch sein Denkmal. Wieso hat der Mann, der in einem Dorf in der Westukraine geboren wurde, so eine Anerkennung von den Wienern geerntet?

Jurij-Franz Kolschitzky wurde 1640 in der Familie eines Niederadeligen geboren. Er war Kaufmann und arbeitete auch als Übersetzer, weil er perfekt Türkisch, Serbisch, Ungarisch, Rumänisch und Deutsch beherrschte. Mit gewisser Erfahrung begann er mit Teppichen, Seide, Gold und Silber zu handeln, während er als Übersetzer dem österreichischen Kaiser diente.

1683 belagerte Wien eine große türkische Armee. Seit dem Belagerungsbeginn trat Jurij Kolschitzky der Bürgerwehr bei und hat sich als ein sehr braver und gewandter Soldat gezeigt. Es war in der Belagerung täglich immer schwieriger geworden. Die strenge Belagerung, die schon einen Monat dauerte, hat Krankheiten und Hungersnot unter den Verteidigern verursacht. So begab sich Kolschitzky gekleidet als ein türkischer Kaufmann, in das Lager des Feindes mit einer sehr wichtigen Aufgabe.  Da er perfekt sowohl die Sprache als auch die Bräuche kannte, hat er bei den Feldherren des Sultan keinen Verdacht erregt und seine Mission ist ihm gelungen. Der Feind sollte sich zurückziehen und die moslemische Ausbreitung auf das christliche Europa ist völlig gescheitert.

Die Einwohner von Wien waren ihrem Retter Kolschitzky sehr dankbar und wollten ihn belohnen. Aber sie waren wirklich erstaunt, als er geboten hat, ihm die gewonnenen Kaffeesäcke zu schenken, die niemand nehmen wollte. Damals wusste in Österreich noch niemand wozu man diese blau-grünen Kerne braucht, man dachte sie seien für die Kamele. Kolschitzky erklärte, dass man aus diesen Körnern das Lieblingsgetränk der Türken kocht. Außer dreihundert Kaffeesäcken hat der Ukrainer auch eine silberne Medaille vom Kaiser, die Wiener Staatsangehörigkeit, ein Haus in der Hauptstadt und das Recht für die Eröffnung des ersten Kaffeehauses in Wien bekommen.

Der engagierte Mann beschloss ernst sein Kaffeegeschäft in Europa zu eröffnen. Zuerst ist er selbst als Türke gekleidet durch die Straßen gegangen und hat den Menschen seinen Kaffee angeboten. Es gab aber kaum jemanden, der den Kaffee kaufen wollte, denn damals wusste noch niemand darüber und wegen des hohen Preises wurde der Kaffee nur als Arznei genommen. Aber einmal geriet Zucker in eine Tasse Kaffee, und Kolschitzky war von dem Geschmack sehr überrascht. Dann hatte er mal Milch hinzugegeben – es schmeckte noch besser! Es kamen mehr und mehr Leute zum Kaffeehaus um das neue leckere Getränk vom Wiener Retter zu kosten. Jeden Besucher hat Kolschitzky mit den Wörtern „Bruderherz“ begrüßt. Diese ukrainische Anrede blieb noch lange in der Sprache der Einwohner von Wien.

In der großen Halle des neuen Kaffeehauses standen hölzerne Tische und Stühle wie in einem ukrainischen Haus. Der Besitzer und seine Frau haben die Kunden selbst in Nationaltracht bedient. Die Wiener Adeligen Graf Starenberg und Fürst von Sawoj haben das Kaffeehaus wegen des schmackhaften Getränks und geselligen Gesprächs oft besucht.

Ende des 17. – Anfang des 18 Jh. erschienen in Europa Kaffeehäuser, die zu sonderbaren Klubhäusern und Leserhallen geworden sind, wo Zeitungen und Magazine zu finden waren, und die Boheme ihre Meinung äußern konnte. Am 19. Februar 1652 ist Jurij  Kolschitzky im Alter von 52 Jahre an Tuberkulose gestorben. Diese Nachricht verbreitete sich sofort in Wien und die ganze Hauptstadt hat ihren Retter beweint. Die Beerdigung war sehr prächtig, Kolschitzky wurde neben dem Stefansdom bestattet, von dessen Glockenturm er 1683 über den Vormarsch mit einer Leuchtkugel angekündigt hat. Die Wiener wissen, dass ein solches  Fernmeldenetz und auch den ersten Kaffee der Ukrainer aus der Umgebung von Lwiw nach Wien gebracht hat.

Als Jurij Kolschitzky in Wien sein Kaffeehaus eröffnet hat, wusste in Lwiw noch niemand über dieses Getränk. Aber, seitdem die Wiener den Kaffeegeschmack genossen haben, kam die Kaffeesucht auch nach Lwiw. Genau während der österreichischen Regierungszeit wurde die Kaffeemode in Lwiw aufgebracht. Bis jetzt herrschte die Meinung, dass das erste Kaffeehaus in Lwiw - das Wiener Kaffeehaus war, eröffnet 1829 auf dem heutigen Swobody Prospekt. Seit den 30-er Jahren des 19. Jh. war das Kaffeehaus „Teatralna“ sehr populär, dessen Besitzer Graf Skarbek war, der eines der größten Theater Europas der damaligen Zeiten (heute M. Zankowetska Theater) errichtet hat. In den 40-er Jahren war auch das Kaffeehaus „Pekelko“ von Jan Dobrowolski sehr berühmt.

Laut der letzten Forschungen wurde festgestellt, dass das erste Kaffeehaus dem lwiwer Konditor Jakiw Lewakowski gehörte. Ab 1802 befand es sich im berühmten Scholz-Wolf Steinhaus, Rynok Platz, 23. Lewakowski ist dank der lwiwer Naschkatzen reich geworden, die seine Spezialitäten besonders die spanische Torte, sehr gern hatten. Am besten schmeckte diese mit einer Tasse Kaffee.

Übersetzung von Katja Schwatschka: Lemko I. Die Legenden des alten Lwiw. – Lwiw: "Apriori", 2008. - 176 S.