Lwiwer Sonderlinge: Geschichte über Jusef

Die Geschichte kann viele Beispiele nennen, wenn das Spieleifer zur Bettelei geführt hat. Eine solche Geschichte passierte in Lwiw Anfang des 19. Jh. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es einen Bettler an der Lateinischen Kathedrale. Es war der ehemalige Maler Jusef.

Jusef war ein guter Meister, hat ziemlich gut verdient, hatte aber eine hemmungslose Leidenschaft: das Glückspiel. Er hat von dieser Sucht so gelitten, dass er einmal entschied dieser Leidenschaft ein Ende zu setzen. Er hat seinen letzten Lotterieschein gekauft und auf die Tür geklebt – zum Andenken. Und wie die Ironie des Schicksaales so war – genau dieses Los hat gewonnen.

Jusef war aufgeregt und überrascht, er hat probiert das Los abzulösen, aber es war umsonst. Dann ist er zum Lotteriebüro gelaufen, um zu erzählen, was passiert ist. Er hat gebeten mit ihm nach Hause zu kommen um den Gewinn zu bestätigen. Aber die herzlosen Büroarbeiter wollten sich damit nicht beschäftigen und nirgendwo hingehen. Verzweifelt hat der Spieler seine Tür abgehängt und zum Büro gebracht. Die Büroarbeiter waren aber unerbittlich und wollten kein Geld auszahlen, denn es gab noch nie so einen Fall und man konnte das Los nicht in eine Mappe einordnen. Der Meister wollte aber nicht aufgeben, als es sich plötzlich nach zahlreichen Überprüfungen ergab, dass dieses Los doch nicht gewonnen hat. Verstimmt und mit gehängtem Kopf ist er nach Hause gegangen. Aber da wartete ihn eine neue Enttäuschung – da es keine Tür gab, haben die Diebe diese Gelegenheit genutzt und die ganze Wohnung geplündert. Es ist ihm nichts übriggeblieben als zur Kathedrale zu gehen und zu betteln.