Feuergeister von Tscharnitskyj

Vor einhundert Jahren, Anfang des 20. Jh. gab es den Feuerwehrhauptmann Antin Tscharnytskyj. Man kann viele Legenden über überraschende Fälle erzählen, die er erlebt hat. Er galt als ein sehr kluger, ernster und sehr braver Mann. Obwohl er eine Führungsstelle hatte, war er immer bei den gefährlichsten Bränden dabei und hat den Leuten das Leben gerettet. Sein Körper war für das Feuer unverletzbar sodass er im größten Feuer ruhig spazieren konnte ohne eine Brandwunde zu bekommen. Er konnte sogar ein erhitztes Kohlenstück einige Minuten in der Hand halten.

Das war ein echter Fan seiner Arbeit. Herr Tscharnitskyj hat ein Buch über die Regelmäßigkeit des Brandes herausgegeben, wo er festgestellt hat, dass die Brände am meisten am Donnerstag geschehen. Seiner Meinung nach, ist das die beste Erklärung des deutschen Wortes „Donnerstag“, des Tages, dessen Beschützer, der Gott Perun-Jupiter ist oder des Tages, wenn es donnert. Er hat auch an den modernen Brandbekämpfungen gearbeitet. Man nannte ihn Ungebrannter und es erschienen viele Legenden und Klatschen, die bewundert aber auch gefürchtet haben. 

Sein Ruhm hat sich schnell im ganzen Kaiserreich verbreitet. Die Leute sind aus den fernliegenden Ecken des Reiches zu ihm gekommen und sein Buch war eines der populärsten. Die Feuersicherheit in der Stadt war auf höchstem Niveau.
Aber einmal, als er von einer Brandlöschung nach Hause gekommen ist, sah er in seinem Haus Rauch und hat Kohlengas bemerkt. Mit seinem Diener hat er alles geprüft, aber nichts Verdächtiges gefunden. Als der Diener die Abbrände aus dem Ofen geräumt hat, sind diese Herrn Tscharnitskyj aufgefallen. Nachdem er sie auf dem Tisch ausgeschüttet und die Buchstaben gesehen hat, hat er Folgendes gelesen: „Zieh ab! Lass uns in Ruhe, sonst wird’s dir übel!“ unterschrieben von Kohlenglut, Schwärze und Rauch. „Ach so sei die Sache – sagte Tschernitskyj, – ihr, die Feuergeister, es gelingt euch nicht, mich zu erschrecken.“

Die Zeit verlief und der Feuerwehrmann hat genauso erfolgreich Brände gelöscht. Aber in der Nacht hatte er außerordentliche Erscheinungen – als ob er im Traum irgendwohin weit weg reist. Diese Reisen schienen sehr bunt aus. Nur der Diener hat bemerkt, dass im Haus in der Nacht ein Gespenst herum spazierte. Als er ins Schlafzimmer des Herrn kam, überzeugte sich immer, dass Herr Tscharnitskyj ruhig in seinem Bett schlief. 

Einer Nacht im März ist die Stadt von dem Glockenton des Bernardinerklosters und der Hl. Onufrij Kirche erwacht, der über einen großen Brand benachrichtigte. Gleichzeitig und unabhängig voneinander brannten einige Gebäude in der Stadt: das Kloster der Redemptoristen, der Schuppen des Bahnhofs, die Hl. Anna-Schule und zwei Steinhäuser. Die lokale Feuerwache wurde alarmiert, die Feuerwehrmänner konnten aber ihren Leiter nirgendwo finden. In einem Steinhaus gelang es den Leuten den Anzünder zu fangen. Als er ans Tageslicht gezogen wurde, hat man gesehen, dass er die abgebrannte Uniform des Feuerwehrhauptmannes trug. Sein Gesicht war so grimassiert, dass nur seine Mitarbeiter ihn erkennen konnten. 

In einem Monat nach dem Brand hat sich der ehemalige Feuerwehrhauptmann aus dem Fenster der Nervenklinik gestürzt. Die Leute haben noch lange die Legende über die Seele des Ungebrannten erzählt, die einmal seinen Körper verlassen hat und nicht zurückkommen konnte, weil die Feuergeister dort waren.  

Übersetzung von Katja Schwatschka: Lemko I. Die Legenden des  alten Lwiw. – Lwiw: "Apriori", 2008. - 176 S.