Die Brandstätte im Kaiserwald

Es gibt einen schönen Platz für eine Baustelle auf einem Hügel im Kaiserwald, der aber schon seit 100 Jahren nicht bebaut wurde und die folgende Legende erzählt den Grund. Am Anfang des vorigen Jahrhunderts wohnte im Lytschakiw Bezirk der  Archivar Rajetskyj mit seiner Familie. Seine Wohnung in der geräuschvollen Straße gefiel ihm aber nicht. Er hat einmal im Kaiserwald einen schönen Platz für eine Villa gefunden, aber es war eine Brandstelle.

Von den Bewohnern hat Rajetskyj erfahren, dass dieser Platz schon mehrmals bebaut wurde, aber jedes Mal etwas schlechtes passierte – alle Häuser sind abgebrannt. Alle Häuser haben auf diesem Platz weniger als ein halbes Jahr gestanden und immer hat irgendeine Kleinigkeit den Brand verursacht. Die Kollegen haben den Archivar vom Bau abgeraten, aber er war unbefangen und progressiv. Er wollte beweisen, wie man die Geklatsche und Vorurteile bekämpfen kann. Außerdem, konnte er dem niedrigen Preis und der malerischen Gegend nicht widerstehen. Rajetskyj hat im Rathaus den Vertrag unterschrieben und in vier Monaten stand auf dem Hügel ein schönes Haus im Sezession-Stil.

In der neuen schönen Villa versuchte die Familie Rajetski alle Feuerschutzbestimmungen zu befolgen: man hat im Haus nicht gekocht, man hat nur in Restaurants gegessen oder das Essen nach Hause bestellt, die Petroleumlampe oder Kerzen wurden verboten, man hat die Villa mit Elektrizität erwärmt und beleuchtet. So verlief der halbjährige Termin, nachdem  alle Häuser abgebrannt sind. Rajetskyj und seine Frau haben immer mit den Gästen über den verdammten Platz gelacht. Später hat man den Kamin im Wohnzimmer aufgestellt, und man benutzte doch die Petroleumlampen und Kerzen, weil die Wirtin immer klagte, dass die Elektrizität ihren Augen weh tat.

Noch ein halbes Jahr verlief, die ganze Familie freute sich über den schönen Platz und die umgebende Natur. Sie haben über die Feuergefahr völlig vergessen, als mysteriöse Dinge passierten. Es erschien ein Feuerkult im Haus. Zuerst zündete der 10-jährige Sohn Jurij die Kerzen am Tag an, dann hat er einmal auf seinem Tisch die Bücher und Zeitungen angezündet und wie bezaubert zugeschaut. Der Vater ist gerade zurzeit gekommen um das Feuer zu löschen.

Ein bekannter Psychiater hat Herrn Rajetskyj erklärt, dass die Leidenschaft für Feuer die Pyromanie heißt und hat geraten den Jungen nicht zu bestrafen, sondern mit ihm zu reden und zu überzeugen. Rajetskyj redete mit dem Sohn abendelang, überzeugte ihn mit der verderblichen Leidenschaft aufzuhören, hat dabei die Streichhölzer und Feuerzeuge von ihm versteckt. Aber eines Abends fühlte selbst der Wirt ein übermächtiges Verlangen etwas anzuzünden. Er hat im Schlafzimmer die Gardinen angezündet, nachdem er eine Weile zuschaute, ist er erwacht und hat das Feuer schnell gelöscht. Ich habe das Feuer bekämpft, - hat sich Rajetskyj gefreut, es sei ein symbolischer Akt, es werde hier nichts Ähnliches passieren.

Die Ehefrau des Archivars hat auch ihre Leidenschaft für Feuer bemerkt, sie hat sich aber ungefährlich geäußert – die Frau zog immer etwas Rotes an. Die Köchin ist manchmal in der Küche allein gesessen und die Streichhölzer nacheinander angezündet.
Einerseits hat sich das Leben in der Villa nicht geändert, aber die Bewohner wollten ihre Leidenschaft nicht offenbaren. Eines Abends in zwei Jahren nach dem Umzug haben die Nachbarn ein riesiges Feuer gesehen. Sie sind hinausgelaufen: es sei ein verdammter Platz! Das Feuer habe sie doch gekriegt! Sie haben aber lange durchgehalten. Die Feuerwehrleute haben den Brand noch lange gelöscht, weil er allen Brandbekämpfungsmethoden widerstand. Auf der Brandstätte hat man Brandleichen von einem Mann, zwei Frauen und einem Kind gefunden. Später ergab es sich, dass das Haus von vier Seiten gleichzeitig angezündet wurde.

Übersetzung von Katja Schwatschka: Lemko I. Die Legenden des  alten Lwiw. – Lwiw: "Apriori", 2008. - 176 S.