Erfindungen in Lwiw: Petroleumlampenlicht

Eines Abends im Herbst 1853 kam eine Kutsche aus Boryslaw zur Apotheke „Unter dem goldenen Stern“ in der heutigen Kopernika Straße. Der jüdische Weinbrenner Abraham Schreiner aus Boryslaw hat dem Apothekenbesitzer, dem Ungarn Peter Mikolas, ein paar Fässer gebracht. Statt des Weines war Erdöl drin. Während des Gesprächs hat Schreiner den Ungarn überzeugt Geld gemeinsam in ein sehr günstiges Geschäft anzulegen – Wodkaherstellung aus Erdöl.

Der Besitzer hatte zwei Apotheker: den Tschechen Johann Sech und den lwiwer Armenier Ignacy Łukasiewicz  zum Gespräch eingeladen. Sie haben sich gut mit der Erdöldestination  verstanden und  damit lange beschäftigt, sie produzierten infolge verschiedene Salben und Medizin. Als sie von dem Besitzer über seine verrückte Idee mit der Wodkaherstellung gehört hatten, waren sie erstaunt. Aber der Wille des Auftraggebers war immer im Vordergrund, so fingen sie bald an.

 Es verliefen einige Monate bei der Arbeit, es gab aber keinen Erfolg. Eines Tages haben die Apotheker ein interessantes Produkt bekommen, das bunt gebrannt hat, keinen Ruß oder unangenehmen Geruch hatte. Die Einwohner von Lwiw haben Brennstoff erfunden, den immer noch ein Drittel der Welt benutzt. Das war Petroleum.

Bisher blieben all solche Versuche ohne Erfolg: man hat nur explosionsgefährliche und angeräucherte Produkte bekommen, die aber nicht populär waren. Die Leute haben die Straßenlaternen gemieden, um nicht mit dem Öl bekleckert zu werden.

Die Erfinder Sech und Łukasiewicz beschlossen unabhängig von ihrem Auftraggeber ihr eigenes Geschäft aufzumachen, dazu haben sie von einem lwiwer Spengler eine Dochtlampe aus Metall, deren Brennstoff das erste Petroleum in der Welt war. Dieses Gewerk wurde jeden Abend im Schaufenster aufgestellt. Die Einwohner der Stadt waren aber gleichgültig und es gab keine Anfrage.

Die Welt hat doch die Erfindung anerkannt: am 27. Mai 1853 hat Johann Sech das Diplom des Wiener Patentamtes erhalten. Man hat die Entdeckung folgenderweise gekennzeichnet: Reinigungsverfahren des Erdöls für Beleuchtung und Beheizung. In einem Jahr hat Johann Sech auf der Weltmesse in München eine Urkunde für die perfekte Erdölreinigung bekommen.

Die lwiwer Ärzte haben plötzlich auch zu der Massennachfrage für die Lampe beigetragen. Die Chirurgen haben einmal versucht im Krankenhaus eine Notoperation mit Petroleumlampenlicht durchzuführen. So hat man bewiesen, dass die neue Leuchte sowohl sicher als auch hygienisch ist. Dieses Beispiel in Lwiw hat die Nachfragesteigerung für das Petroleum in Schwung gebracht. Das Erdgas, das schon damals sehr populär war, war dem lwiwer Petroleum gegenüber wegen seines Preises außer Konkurrenz. So wurde die Petroleumlampe zur Konsumware.

Danach hat sich das Schicksal der lwiwer Erfinder ganz unterschiedlich gestaltet. Sech, der weniger gewandt war, hat ein Labor und einen Laden in der Krakiwska Straße geöffnet, wo er Petroleum für die Beleuchtung und Benzin für die Fleckenreinigung verkaufte. Die Frau von Sech und ihre jüngere Schwester waren die Verkäufer. Gerade hier ist ein Unfall geschehen. Im Winter 1858 hat man Fässer mit Petroleum zum Geschäft gebracht, eines von denen war beschädigt. Aus diesem Fass ist die Flüssigkeit auf den Boden ausgegossen, ein Passant hat das angezündete Streichholz fallen lassen und ein Feuer ist ausgebrochen. Bei diesem Unfall sind beide Schwestern und zwei Einkäuferinnen ums Leben gekommen.

Jan Sech war ein sehr begabter Erfinder, hatte aber kein geschäftliches Geschick. Er konnte die materiellen Vorteile seiner Entdeckung nicht ausnutzen und ist nach dem Unfall und anderen Problemen zur Arzneikunde zurückgekommen.

Ignacy Łukasiewicz ist es gelungen das Unternehmen auf eine ernste Basis zu  stellen. Er hat den Verband für Entwicklung von Ölfeldern gegründet. Ein Geschäft in Borislaw oder Drohobytsch aufzumachen war unvorteilhaft, deshalb hat er ein Erdölverarbeitungswerk neben Krosno in Polen gebaut. Aus diesem Grund ist er als Erfinder des Petroleums und der Petroleumlampe mehr in Polen bekannt.

Das Schicksal des jüdischen Geschäftsmannes Abraham Schreiner, der die Fässer mit Erdöl zur Apotheke gebracht hat, soll nicht unbeachtet bleiben. Da die Idee mit der Wodkaherstellung schief ausgegangen ist, hat er gleich nach der Entdeckung von Sech und Łukasiewicz ein Muster von der Petroleumlampe nach Wien gebracht um es dem Geschäftsmann Ditmar zu verkaufen. Ditmar hat die Lampe attraktiver gemacht und fing an, diese auf den europäischen Märkten zu verkaufen. Es gab auch in Lwiw das Geschäft von Ditmar auf dem heutigen Mickiewicz Platz. Wegen seiner Tätigkeit hat man vergessen, dass gerade in Lwiw das Petroleum und selbst die Petroleumlampe erfunden wurden.  

Übersetzung von Katja Schwatschka: Lemko I. Die Legenden des  alten Lwiw. – Lwiw: "Apriori", 2008. - 176 S.